Phantasiereisen

Entspannung durch Reisen ins Innere

Fast jeder kann sich an eine Situation in seinem Leben oder einen Ort erinnern, wo er sich besonders glücklich und entspannt gefühlt hat: Die Wanderung über grüne Wiesen in den Bergen, ein Picknick am plätschernden Fluss, der Sonnenuntergang am Sandstrand des Mittelmeeres. Denken wir an diese Situationen zurück, fühlen wir uns kurzzeitig ebenso entspannt wie damals.

Diesen Effekt machen sich Phantasiereisen bzw. Fantasiereisen zunutze. Sie sind hervorragende Entspannungsübungen, um für einige Zeit dem Stress des Alltags zu entfliehen.

 

Der Aufbau einer Phantasiereise

Phantasiereisen finden auf unterschiedliche Arten statt. Sie können durch einen Therapeuten angeleitet werden, es gibt aber auch Phantasiereisen, die auf CD gesprochen erhältlich sind. Natürlich kann man sich auch seine eigene, persönliche Reise ausdenken, aufnehmen und dann bei Bedarf abspielen.
Sie finden alleine mit dem Mp3-Player auf dem heimischen Sofa, beim Therapeuten oder auch innerhalb einer Gruppe bei Seminaren, im Sportverein oder im Wellness-Center statt.
Jede Phantasiereise beginnt mit einer Einleitung, in der der Reisende sich auf die folgenden Momente einstimmen soll. Ähnlich wie beim autogenen Training wird ihm suggeriert, dass jeder Körperteil locker und entspannt ist, sich schwer anfühlt, die Atmung bewusst durch den Bauch stattfindet. Nach wenigen Minuten der einleitenden, gesprochenen Sätze sollte der Ausübende entspannt und locker sein; die Aufmerksamkeit ist im Jetzt und Hier – nicht beim Stress auf der Arbeit oder in der Familie.
Bei der eigentlichen Reise zum Beispiel ans Meer stellt sich der Übende vor, wie er sich an den Strand setzt und auf die ruhigen Wellen des Meeres blickt. Nicht nur die Wellen schwappen leise vor sich hin, auch der Atem passt sich dieser Langsamkeit an. Man fühlt sich wohl, spürt den Wind auf der Haut, schmeckt das Salz auf den Lippen, stärkere Wellen umspülen sanft die Füße. Alles ist ruhig und friedlich. Das Gehirn nimmt diese Gefühle wahr und reagiert, in dem es Blutdruck, Atmung, Herzfrequenz und Muskeltonus senkt. Tiefe Entspannung ist das Resultat.
Den Schluss dieser Entspannungsübung bildet die Rückholphase, in der der Übende sanft wieder in die Realität geholt wird. Dies geschieht durch entsprechende Suggestionen, aber auch durch Strecken des Körpers und tiefes Durchatmen. Öffnet der Teilnehmer schließlich seine Augen, sollte er sich frisch und entspannt fühlen.

Was ist bei Phantasiereisen zu beachten?

Bei der Reise an sich ist es wichtig, dass die Sätze langsam, deutlich und mit angenehmer Stimme gesprochen werden. Außerdem müssen zwischen Sätzen Pausen gemacht werden, damit der Übende Zeit hat, sich die entsprechenden Situationen in seiner Phantasie so lebhaft vorzustellen, als würde er sich an jenem Ort befinden. Je nach Situation benötigt man dafür eventuell nur einige Sekunden, es können aber auch ein bis zwei Minuten Zeit nötig sein.

Bei therapeutischer Begleitung kann der Reisende nun in diesem Umfeld der Entspannung auch Probleme visualisierend einbringen und so zu Lösungsansätzen kommen.

Begleitend zum Thema bieten sich bestimmte Musikstücke oder Geräusche an, um das Gesprochene zu untermalen und die Phantasie zu fördern. Reisen Sie an das Meer, fällt es Ihnen eventuell besonders leicht, sich dies vorzustellen, wenn Sie dazu rauschende Wellen hören.

Damit bei der folgenden Phantasiereise sich der gewünschte Erfolg einstellt, sollte sich die Person mit dem Ziel beziehungsweise dem Thema identifizieren. Wer am Meer jemanden ertrinken gesehen hat, wird bei einer Phantasiereise dorthin nicht entspannen können.

Gerade anfangs passiert es oft, dass die Gedanken hin und wieder doch zum stressigen Job oder dem Ärger mit dem Nachbarn abschweifen. Dies ist nicht schlimm! Lassen Sie die Gedanken zu, verharren Sie aber nicht in ihnen, sondern lassen Sie sie vorbeiziehen. Je öfter man diese Entspannungsübung praktiziert, desto einfacher wird es, sich auf die Reise zu konzentrieren.

Bei einer Phantasiereise innerhalb einer Gruppe sollten die Teilnehmer im Anschluss an die Rückholphase ihr Erlebtes austauschen und verarbeiten.

 

Wem helfen Phantasiereisen?

Phantasiereisen helfen dann, wenn man unter Anspannung, Stress oder Belastungen leidet. Oft sind diese Beschwerden nicht offensichtlich, sondern äußern sich in anderen Krankheiten, die aber direkt damit in Zusammenhang stehen können.

Hilfreich sind sie bei Kopfschmerzen, unruhigem Schlaf, Zähneknirschen, Bluthochdruck, Ängsten, Stottern, Muskelverspannungen und ähnlichem.

Wer unter Wahnvorstellungen oder Atemwegserkrankungen leidet sowie Beruhigungsmittel einnimmt, sollte keine Phantasiereisen durchführen. Traumatisierte Menschen nehmen die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch, da bei den Reisen unter Umständen auch negative Gefühle oder Erinnerungen geweckt werden, mit denen der Patient auf keinen Fall alleine gelassen werden darf.

 

Was Sie tun können

Wenn Sie eine Phantasiereise unternehmen möchten, benötigen Sie nicht viel. Nehmen Sie sich etwas Zeit (mindestens eine halbe Stunde) und eine geeignete Geschichte, die Sie in eine für Sie angenehme und entspannende Welt führt. Sie können sich selbst eine Geschichte ausdenken und aufnehmen oder einen Freund oder Partner bitten Ihnen zu erzählen bzw. vorzulesen.
Es gibt auch gute professionell produzierte Phantasiereisen, die empfohlen werden können. Sie sind mit passender Musik und Geräuschen unterlegt und von erfahrenen Sprechern aufgenommen.